Do

11

Nov

2010

Jakobsweg von Ljubljana nach Santiago d. C.

Seit April lebe ich nun schon in Slowenien, doch heute bin ich das erste Mal mit dem Bus in die Stadt (=Ljubljana) gefahren!

Es ist ein wundervoller, sonniger Tag, und mich verlangte es nach etwas Abwechslung. Hier in Polje ist es zwar schön, das stundenlange Gejaule und Gequietsche von Nachbars Schleif- und Hobelmaschinen geht mit der Zeit aber doch arg auf die Nerven.

Und nachdem ich mich heute Nachmittag eh mit einer Freundin treffen wollte lag es nur nahe, etwas früher in die Stadt zu fahren, und ein Glas Guinness in einem Pub am Ufer der Ljubljanica zu genießen. Ausserdem tut es mir sehr gut, einmal etwas Zeit für mich zu haben!

     Es ist wirklich schön in Ljubljana - und sehr interessant, einfach nur irgendwo in der Sonne zu sitzen und die Passanten zu beobachten.

Und es sind viele! Vor allem auch Touristen aus aller Herren Länder, die hier vorbei strömen. Ich schnappe deutsche, englische, spanische, italienische, asiatische und mir völlig fremde Wort- und Satzfetzen auf. Und mir wird bewusst, dass ich hier langsam heimisch werde.

Ich fühle mich nicht mehr als Tourist, sondern als Einwohner dieser Stadt.

Mir wird aber auch bewusst, wie weit ich Deutschland hinter mir gelassen habe. Vor allem, nachdem mir meine Tochter vor ei paar Tagen unmissverständlich klar gemacht hat, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben will. Das schließt Briefe ein; sie will nicht einmal mehr, dass ich ihr schreibe.

     Das tut natürlich sehr weh, aber es kommt auch nicht ganz unerwartet.

Somit stellen meine Eltern die einzige und letzte Verbindung zu meiner alten Heimat im Schwarzwald dar.

Ich kann mich also jetzt voll und ganz auf meine Zukunft hier konzentrieren.

Und es lässt sich leben hier - gut sogar!

     Und wenn durch Haslach ein Jakobsweg führte, welcher mich immer mit meinem geliebten Spanien verbunden hielt, so muss ich dieses Gefühl auch hier nicht missen.

Mitten in Ljubljana habe ich gelbe Pfeile und Jakobsmuscheln gefunden!

Es existiert tatsächlich ein (zumindest in der Stadt und in ihrer Umgebung) ausgeschilderter Weg, der nach Galicien führt!

Er kommt aus dem Osten (wohl aus Budapest) und führt über Triest, Venedig und Mailand nach Südfrankreich, wo man dann die Pyrenäen überquert.

Reizvolle Idee!!!!!

 

Zuerst aber werde ich morgen dafür sorgen, dass etwas Geld für's tägliche Leben ins Haus kommt: Ich werde eine Probestunde in Deutsch an einer hiesigen Sprachschule halten. Muttersprachler sind sehr gefragt hier - und die Slowenen sind sehr daran interessiert, fremde Sprachen zu erlernen.

Das hat zum Ergebnis, dass es für einen Ausländer gar nicht so einfach ist, slowenisch zu sprechen!

Denn sobald der Gesprächspartner merkt, dass man kein Slowene ist versucht er, sich auf englisch oder deutsch zu unterhalten.

Das ist natürlich sehr liebenswürdig, meinen eigenen Bemühungen slowenisch zu sprechen aber eher abträglich!

 

So, jetzt gehe ich mich über den Jakobsweg hier informieren.

Hasta luego!

 

Antonius

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